8. Tansen

Nach drei Tagen Chitwan und jede Menge Ruderversuche und Elefantenritte später, wurden wir wieder an der anderen Seite des Flusses abgesetzt, hier sollte unser Bus in die nächste Ortschaft starten. 
Bewaffnet mit unseren Reise- und Fototaschen und einer gezeichneten, wie aufgeschriebenen Wegbeschreibung meines Schwagers, warteten wir was da kommen wolle.

Es ging mit einem überfüllten Bus nach Bharatpur und wenn ich überfüllt meine, dann sieht das so aus, das der Bus innen wie ein Reisebus ausgestattet ist, nur das dieser so niedrig ist, das man im Mittelgang nur in gebückter Haltung stehen kann, also ziehen es viele vor im Mittelgang zu sitzen wenn Platz ist, wenn man also irgendwo aussteigen möchte, dann sollte man sich früh genug Richtung Ausgang bewegen, sonnst hat man nur die Changse die Notbremse zu ziehen, was nicht gerade selten passiert. Die Busse hier transportieren Alles, angefangen von ganzen Familienclans über Hühner, Ziegen und was sonst noch alles eingekauft wurde, für die normale Bevölkerung ist ein Auto oder ein Trecker ein unwahrscheinliches Ding, entweder man läuft oder man fährt Bus, die Äcker werden mit Ochsen bewirtschaftet (diese fanden wir aber nicht vor). Hier ist es auch üblich, das wenn der Bus voll ist man doch lieber auf dem Transportdeck des Busses mit fährt, das ist viel angenehmer als Drinnen, obwohl bei manchen Alpinstrecken ziemlich wagemutig, dies hatten wir uns aber zu diesem Zeitpunkt mit unserem schweren Gepäck noch nicht getraut.


Auf unseren Taschen sitzend tuckerten wir am Flussbett entlang in die nächste Ortschaft an den Busbahnhof oder besser gesagt an eine Bussammelstelle, hier hatte ich auch zum ersten mal in meinem Leben frei lebende Geier gesehen, die am Flussbett sich an einem Aas die Bäuche vollschlugen und ich sah schon in der Mittagshitze unser los, nachdem wir den fünften Bus abgeklappert hatten und alle wollten uns unbedingt mitnehmen, aber keiner fuhr nach Butwal, unser nächster Stop, denn hätte mein Schwager gesagt, das hier die Wenigsten schreiben und lesen können und wenn, dann nur die indischen Schriftzeichen, dann währe ich etwas schlauer gewesen, aber auch nicht viel!
 
Wir versuchten es mit aussprechen des Namens, was natürlich auch Keiner verstand und als wir fast vor dem Verzweifeln waren, fand sich doch ein Ticket Verkäufer, der einige Brocken englisch sprach.
Wir hatten eine super Busreise bis Butwal, der Bus war nicht so überfüllt wie die Anderen Nahverkehrsbuse und wir hatten sogar Sitzplätze und eine angenehme Fahrt, obwohl unser Gepäck auf dem Dach landete und ich als alter Rucksacktouri immer lieber meine sieben Sachen bei Mir habe, verlief alles prima und wir stiegen in Butwal mit Gepäck aus.
Von hier aus war es garkein Problem den Bus nach Tansen zu finden, es war der voll beladene Bus, der einzige, der hoch in die Berge fuhr, eine Alpinstrecke bis zu einer Höhe von über 1400  Meter Höhe. Gabriella und ich ergatterten uns noch die letzten zwei Plätze. halb auf einer Ablage, man hätte zwar nicht umfallen können wäre man gestanden, aber für ca. zwei bis drei Stunden Fahrt, war das so angenehmer. neben uns saß ein Bauer mit zwei Hühnern (das passte!) und irgend wann unterwegs nahm ich einer stehenden Mutter das Kind ab und setzte den kleinen Hosenmatz auf meinen Schoss, zum aufstehen war ich diese Schaukelei nicht gewohnt, manche Passagiere hingen mit einer Hand an der offenen Bustür und hingen teilweise aus dem Bus, dazu muss ich noch sagen, das in Nepal Linksverkehr herrscht und der Abgrund ins Tal auf der linken Seite war, ein Wunder, das der Bus an manschen Stellen kein Übergewicht nach links bekam, ich sah uns schon im Abgrund liegen.
In Tansen angekommen, waren wir wie gerädert, aber um einiges erleichtert, nun mussten wir nur noch nach dem Plan meines Schwagers das Haus finden und in einem kleinen Ort wie diesem wäre das doch ein klacks!
Unser Fehler war am Ortsplatz nachzufragen, denn in null Komma nix hatten wir eine Traube von fünfzig Leuten um uns. hier kommen wohl selten Touris her, vor allem nicht während des Golfkrieges, tatsächlich waren wir die Einzigsten und einige Kinder streckten uns die Zunge raus! Was ich sehr ungehörig fand, bis ich aber von meiner Schwester erfuhr, das dies ein Zeichen von Verlegenheit sei und durchaus nicht ungehörig, hab ich wieder was dazu gelernt und später dann auch sprach sich herum, das hier zwei westliche Frauen rumlaufen, alles knipsen und versuchen mit Händen und Füssen zu sprechen.
Wir wurden von einigen Männern an einen kleinen Jungen verwiesen, der dazu beauftragt wurde unsere Taschen zu tragen und uns an einen bestimmten Ort zu bringen, nämlich Jenen den wir suchen!
Tansen liegt am Berg und um einem Jungen zu folgen, der mit zwei großen Taschen beladen ist, mussten wir förmlich rennen, der Junge vorne raus, an jeder Biegung wartend und wir zwei Omis schnaubend hinterher! Als wir an eine Biegung am Palast kamen (der stand damals noch und wurde bei der Revolution wie so vieles leider abgerissen), erinnerte ich mich an meinen Plan, diese Ecke kenne ich, hier müssen wir rechts ab und da ist es dann schon, aber unser Träger war schon weit vorne und machte nicht den kleinsten Anschein zu stoppen, also keuchten wir hinter Ihm her, raus aus der Ortschaft den Berg hinauf und was stand da Oben: ein Hotel!
Na super! wir bezahlten unser Trägerlein, der zufrieden abzischte und baten im Hotel ob sie wohl eine Nummer anrufen könnten, die hatten sich schon über Gäste gefreut, am Telefon hatte ich meinen Schwager, klar hatte ich recht, die Abzweigung war vor zwei Kilometer unten beim Palast, also nahmen wir unser Gepäck und rückten wieder ab nach Unten, dies ging um einiges schneller als hoch und hier wurden wir im Abendlich beleuchteten Garten der "Villa Kunterbunt" schon empfangen.
 
Die Villa:
Besteht aus drei gleich großen Zimmern, Küche und Bad im ersten Stock und dem Dachboden, der auch als Gästebereich diente, mit dem Wellblechdach, das auf keine weise isoliert war, gab es bei Regen einen super Sound, der Dachboden war offen und ging gleich in das Treppenhaus über.
inzwischen wohnen da anscheinend vier Familien, in jedem Zimmer Eine.
 
"Bishnu" die Köchin, die einzige die geniesbares Dhal kochen kann.
 Der Gärtner, auch zuständig für die Hühner und den ständig krähenden Hahn.
 "Unkraut" das überall wächst:


die Hauskatze. spezialisiert auf Ratten und Flughunde, die sie mit Begeisterung auf dem Dachboden verspeiste, sie liebte es unter der Bettdecke oder unter dem Bett (wenn man sie erwischte) zu dinieren, Gabriella hatte einen tiefen Schlaf!
 
 Tansen liegt in 1400 Metern Höhe am Hügel, in der Mitte der Stadt befindet sich der Marktplatz mit einem runden großen Gebäude in dem es zum Beispiel "Momos" zu essen gibt, das sind kleine Fleischklöse die meist mit einer Suppe serviert werden, schmecken auf jeden Fall besser als Dhal.
Unten im Basar auf der Straße kann man alles kaufen, vom Gemüse über Gewürze und Snacks bis zum Schmuck, wie den traditionellen Bangles (bunte, schmale Armreifen aus Glas oder Blech, bis zur Hochzeits-Halskette, der traditionelle Schmuck der verheirateten Frau, bunte kleine Glassteine (ehemals Halbedelsteine) werden in Ketten aufgereiht und ineinander gedreht, an der unteren Seite befindet sich ein Anhänger aus Messing oder Gold.
Hier befindet sich die Durchgangsrouten nach Tibet, Indien und Mustang.
Von hier aus hat man nach Süden einen offenen Blick auf das Flusstal des Tschuria und nach einem kurzen Weg auf die Bergplatzform einen offenen Blick auf den Himalaja, vom Dhaulagiri bis zum Gaurischankar im Osten.

Es gibt einige kleine Tempelanlagen, und Waschhäuser, die ich fotografiert hatte, was davon noch steht? Keine Ahnung, ich denke während des Aufstandes in den Neunzigern ist viel kaputt gegangen, schade aber auch, den der Ort war damals richtig urtümlich.
 
Die Menschen leben auf den Straßen, hier wird entlaust:
 
Blick vom Garten der Villa Kunterbunt mit dem ansässigen Hotel, der Flachbau auf dem Hügel:

Schotter und Sandstraßen:
 

Fließendes Wasser hat hier nicht jeder im Haus, ausserdem sollte man sich vor dem Gang in den Tempel waschen:

Eingang zum Tempel:


Gottheiten im Tempel mot Opfergaben aus Blumen:
 
Die Dachkonstruktion, alles Holzschnitzereien, die etwas verwittert inzwischen mit Seilen fixiert sind:

Die schwere Dachkonstruktion steht auf Holzsäulen:
 
Die Stupa von Tansen, ein schönes kleines rundes Gebäude, das mit seinen gekalkten Wänden in der Sonne strahlt:

Der Glücksgott Ghanesha über der Eingangstür, die Bronce Statur ist voll mit rotem Wachs, das bringt Glück:
 
Eigentlich bin ich nicht der Typ von Mensch, der mit gezückter Kamera fremde Leute fotografiert, da gibt es bei mir noch eine Hemmschwelle die privat und persönlich heißt, aber meine Schwester belehrte mich eines Besseren, ich könne ruhig die Menschen hier fotografieren, viele würden sich sogar darüber freuen und wenn man gefragt hat und die geben einem das O.K., dann ist ja alles paletti. ich stellte mir vor, das irgend welche Leute aus einem anderen Land einfach angefahren kommen und mich fotografieren, das wäre mir Hochnot peinlich und wirklich nicht recht, vor allem weil mir sowas ähnliches mal passiert ist, als ich Feierabend hatte und mein Rennrad aufpumpen wollte kam gerade eine Gruppe Japaner aus dem Theater, die hatte ich schon drinnen gesehen, aber wenn sie mich da bei der Arbeit fotografieren ist das was Anderes, als wenn ich da stehe, mein Rad aufpumpe und zwanzig Japaner zücken den Foto, ne sowas ist privat und so wollte ich das handhaben, aber ich lies mich umstimmen, denn hier gab es so starke, schöne und interessannte ... Frauen (jepp, die Frauen mal wieder, Frauenpower!) Das ich mich umstimmen lies.
im Gegenzug habe ich die Fotos von Tansen an meine Schwester geschickt, damit sie den Modellen zumindest je einen Abzug machen lassen konnte.
Die Bewohnerinnen des Nachbarhauses mit ihren Kindern:
 
Die indische Nachbarin, die ihrer Tochter gerade die Augenumrandung gemalt hat, dies hat nichts mit schminken zu tun, der Kajal, der hier aus Holzkohle oder Stein besteht wendet den blick des Bösen ab.
 
An der Wasserstelle mitten im Dorf, hier wird Wasser geholt, sich gewaschen und Wäsche gewaschen, meist nur mit Wasser, Seife ist rar.

Sie verkauf in Fett gegarte Süssspeisen vor ihrem Haus.

Hier wird Bronze und Kupfer getrieben und zu Gefäßen, Becher, Tellern oder Zierschmuck verarbeitet:

 Die Obst und Gemüseverkäuferin meines Vertrauens, oder besser gesagt, die Einzige die das zehn Finger Zeichenstystem der Marylou verstand!
Sie lachte immer, nur nicht wenn ich den Foto zückte!

 erwischt!
 
 Cocablätter zum kauen, für die Nepalesis ein "Kaugummi" Ersatz!

 Männer in der traditionellen Tracht:

Für die kleinen Mädchen ist es normal im Haushalt zu helfen und auf die Kleinsten aufzupassen.

Zum Öl abfüllen bringt man sein Beältniss mit, ein Stand weiter hinten arbeitet der Schneider mit seiner Nähmaschine und einigen Stoffballen.

Marylou begibt sich jetzt auf die Rücken der Busse ins nähere Umland, bis dann 
Tschüüüüssss!

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